mitMenschPreis
Die Bewerbungsfrist für den mitMenschPreis ist abgelaufen, die Preisverleihung findet im September 2012 in Berlin statt. Die Bewerber 2012 können Sie anschauen unter www.mitMenschPreis.de.
Orientierung
Heft 2/2012: Pause(n)los
Liebe Leserin, lieber Leser,
ein Zufall oder auch nicht, dass ich mich gerade in dieser Ausgabe der Orientierung mit dem Thema »Pause(n) – los« bei Ihnen als neues Mitglied der Redaktionsgruppe vorstelle? Pausenlos erscheint von außen betrachtet meine bisherige Biografie: neben Studium und Ausbildung zur Fach-, Grund- / Hauptschul- und Sonderschullehrerin, den Tätigkeiten an verschiedenen Sonderschulen, an der Hochschule und am Seminar für Didaktik und Lehrerbildung, die Gründung einer 5köpfigen Familie und nun in der Schulleitung an der Oberlinschule in Kork.
Wo waren die Pausen – könnte man sich fragen. Es gab sie – lautet eine Antwort und zwar
- in einem kurzen Innehalten,
- im Verweilen in einem schönen Augenblick,
- im Betrachten der Blumen in meinem Garten,
- im Aussetzen einer energieraubenden Gewohnheit,
- bei einem Kaffee mit meinem Mann,
- bei einer angenehmen Unterhaltung mit einer Kollegin,
- während einer Autofahrt zwischen zwei Terminen,
- beim Feiern mit Freunden und Verwandten,
- im Anblick des Lächelns in den Gesichtern meiner Kinder
und in vielen anderen Erlebnissen.
Dabei spielte nicht das Zeitfenster der Pause, vielmehr die Qualität der jeweiligen Situation eine Rolle.
Mit der Qualität von Pausen und den damit verbundenen Chancen zur Gesunderhaltung, Energieschöpfung, Weiterentwicklung oder auch Neuorientierung beschäftigen sich auch die Autoren dieser Orientierung. In einer Gesellschaft, in der unerschöpfliche Leistungsfähigkeit, Schnelligkeit, allzeitige Verfügbarkeit als Selbstverständlichkeit erachtet werden, ist es nicht immer einfach, sich eine Pause zu nehmen, ohne dies als Ausdruck von Schwäche zu empfinden.
Viel zu spät nehmen viele von uns Symptome der Erschöpfung wahr, versuchen diese zu kompensieren oder gar zu ignorieren.
Wie
es um unseren Umgang mit Stress und um unsere Lebensqualität steht,
können wir der Checkliste von Dr. Lauterbach entnehmen, Möglichkeiten
der Entschleunigung und Hinweise auf rechtliche Aspekte in Bezug auf
»Pausen« befinden sich ebenfalls in dieser Ausgabe.
Gelassenheit, Zielorientierung und das Wissen, dass Pausen auch im Flow-Erleben notwendig und bedeutsam sind, stellen die Grundlagen für einen sinnvollen und effektiven Umgang mit Pausen dar.
Machen daher auch Sie beim Lesen dieser Zeitschrift zwischendurch einmal eine Pause – es lohnt sich!
Gelegentliches Innehalten und Verweilen wünscht Ihnen
Ihre
Bettina Maria Herr
Heft 1/2012: Migration & Behinderung
Liebe Leserin, lieber Leser,
rund jeder fünfte Bürger, der in der Bundesrepublik Deutschland lebt, gehört – laut statistischem Bundesamt – zur Gruppe derer,
- die in die Bundesrepublik nach 1949 zugewandert sind,
- oder als Ausländer in Deutschland geboren ist,
- oder mindestens einen zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil hat.
Mit anderen Worten: Jeder fünfte Bürger, der in der BRD lebt, hat einen sogenannten »Migrationshintergrund«.
Rund 11% dieser Personen hat eine amtlich anerkannte Behinderung. So rechnen es Prof. Dr. Gudrun Wansing und Prof. Dr. Manuela Westphal auf Seite 12 dieser Orientierung in Anlehnung an den Mikrozensus vor.
Was passiert, wenn Migration und Behinderung zusammentreffen? Mit dieser Orientierung haben wir uns auf die Suche nach der »Schnittmenge« gemacht.
Deutlich wurde: Behinderung und Migration ist ein Thema, das geprägt ist von kulturell unterschiedlichen Sichtweisen auf Behinderung. Je nach Herkunftsland unterscheidet sich das Denken über Behinderung, stellt Ellen Karacayli auf Seite 25 fest.
Die Behindertenhilfe ist gefordert, weiß sie doch an vielen Orten noch zu wenig über die kulturellen Besonderheiten, fängt erst an, sich damit auseinanderzusetzen. An anderen Orten hat sie sich schon erfolgreich auf den Weg gemacht, z.B. im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg (siehe Seite 31).
Bringen Menschen mit Unterstützungsbedarf einen Migrationshintergrund mit, sind die MitarbeiterInnen neben ihrer Fachlichkeit auch in ihrer interkulturellen Kompetenz gefordert. Stefan Kvas gibt Anregungen, wie diese entwickelt werden kann (Seite 16).
So vielschichtig wie sich die Gruppe derer mit Behinderung und Migrationshintergrund darstellt, so vielschichtig müssen die Wege der Unterstützung und Begleitung sein. Es ist (wieder einmal) so: Pauschallösungen gibt es nicht. Individualität, Kultur-Sensibilität und Wertschätzung der Unterschiede sind gefragt!
Viel Spaß beim Lesen wünscht
Ihr
Martin Herrlich
Heft 4/2011: In der Tat?! UN-Behindertenrechtskonvention auf dem Weg
Liebe Leserin,
lieber Leser,
der UN-Behindertenrechtskonvention wurde im März 2009 von Bundestag
und Bundesrat zugestimmt. Seither ist sie in Deutschland in Kraft
getreten.
In der UN-Behindertenrechtskonvention werden die
Menschenrechte verbindlich für Menschen mit Behinderung konkretisiert,
ohne Sonderrechte zu formulieren.
Eng verwoben mit der Konvention ist
die Idee der Inklusion, im Text als Leitziel benannt, in der deutschen
Übersetzzung markanterweise mit Integration übersetzt: Wie kann eine
Gemeinschaft entstehen, in der alle die gleichen Möglichkeiten bekommen,
in der die Besonderheit des Einzelnen als Bereicherung erlebt werden
kann, in der innere und äußere Barrieren abgebaut werden?
Mit dieser Orientierung wollen wir zweierlei:
- Wir wollen weiterhin aufklären, was in der UN-Behindertenrechtskonvention drin steht. Dazu zitieren wir in Auszügen aus dem Papier des BeB "Freiheit mit Unterstützung". Wir haben aus der Version in leichter Sprache Passagen entnommen.
- Wir wollen schauen: Wo stehen wir in Bezug auf die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Ist diese schon "in der Tat?!"
Entstanden ist ein kritischer Blick mit vielen Anfragen an die tatkräftige Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.
Entstanden ist aber auch ein Blick der deutlich mach, dass es gehen kann. In der Tat!
Dazu brauchen wir die Behindertenhilfe, die auf die Gemeinschaft
zugeht, aber auch eine Gemeinschaft, die der Behindertenhilfe
entgegengeht. Vor allem brauchen wir Menschen, die Lust haben
Möglichkeiten für den Einzelnen und die Einzelne zu erkennen und zu
entwickeln und nicht nur darüber nachzudenken, wie Lösungen im Rahmen
ihrer bestehenden Strukturen aussehen können.
Vor allem brauchen wir Menschen, die aufeinander zugehen!
Bringen Sie Menschenrechte in die Tat, verhelfen Sie diesen zum Durchbruch!
Viele Anregungen wünscht
Martin Herrlich
Heft 3/2011: kennen - erkennen - anerkennen
Liebe Leserin,
lieber Leser,
manchmal wäre es so leicht: Einfach mal meinem Kollegen zu sagen, was ich an ihm schätze, was ich gut an ihm finde. Kein Problem, danach wieder in die fachliche Auseinandersetzung zu gehen.
Wie wohltuend kann das sein, wenn ich nicht institutionalisiert aber von Herzen spüre: Man kennt mich, man erkennt den Wert der Sache und ich werde anerkannt.
»Anerkennung ist die positive Bewertung der eigenen Handlung durch andere,« so formuliert Petra Thomas in »Moderne Arbeit findet woanders statt« (Seite 25).
Aber wir kennen auch das: Viele Jahren setzen wir uns für eine Sache ein. Geben Energie, manchmal sogar Herzblut in ein Projekt, sind überzeugt von der Idee und von unserem eigenen Tun. Und dann kommen andere und stellen fest, dass das, was für uns gut war, »Gestern« ist. Dass heute etwas anderes zählt. Ohne es gesagt zu bekommen, spüren wir mit einem Stich im Herzen: Es ist vorbei. Das gut Gemeinte war für andere nicht gut genug. Anerkennung ade.
Ina Ströbele berichtet im Artikel »Wertgeschätzt oder nicht« (Seite 36) von ihrem lebenslangen Einsatz für ihren behinderten Bruder. Sie stellt als BeB-Vertreterin von Angehörigen fest: »Wertschätzung ist das Ergebnis dessen, was wir bereit sind, einzubringen.«
Und manchmal ist es soweit: Man verabschiedet sich von einem Kollegen, mit dem man lange Zeit und vor allem gerne zusammengearbeitet hat. Situationen fallen einem ein, die die gemeinsame Zeit prägten. Momente, in denen man stolz war, zusammen etwas zu tun, etwas voranzubringen, sich selbst und sich gegenseitig zu begeistern. Gerne möchte man zum Abschied sagen, was einem gefiel, was man geschätzt hat, was einem gut getan hat im Kontakt, im Beisammensein, in der Begegnung. Und dann? »Wir sollten einen Toast auf ihn ausbringen!« ich hab's: »Wir haben dich gemocht!«
Lassen Sie sich inspirieren, lernen Sie, sich und andere anzuerkennen.
Es grüßen
Friedrich Fabriz
Martin Herrlich
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Die Kerbe - Zeitschrift für Sozialpsychiatrie
www.kerbe.info
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